Aktuell

Karl Manfred Rennertz + Martin Pöll
„Holzgeister“

Einladung zur Eröffnung der Ausstellung am
Samstag, 19. November 2022, 19 Uhr
im Forum Kunst am Friedrichsplatz

Zur Eröffnung spricht
Otto Jägersberg, Baden-Baden

Dauer der Ausstellung:
20. November 2022 bis 15. Januar 2023

Karl Manfred Rennertz

Der 1952 in Eschweiler geborene Rheinländer beginnt 1972
an der Düsseldorfer Kunstakademie mit den Materialien Ton und Gips zu arbeiten. 1975 entsteht die erste lebensgroße Portraitfigur in Holz. Zunächst schnitzt er noch nach Modell. Mit der Motorsäge entwickelt er schließlich einen ganz eigenen Stil, der in mächtigen Baumstämmen humanoide Strukturen freilegt. Seine Figuren finden ihr Gleichgewicht zwischen pflanzlicher Herkunft und menschlichem Abbild. Dies ist der typische Rennertz Stil: kantige Gestalten aus Keilformen, ponderierend auf die Spitze getriebene Schlankheit und gewagte Konstruktion. Das rohe Holz ist oft starkfarbig bemalt oder mit Schwarz/Weiß-Kontrasten akzentuiert. Seit den 80-er Jahren kommt Feuer als Farbe zusätzlich in den „Malkasten“. Mit dem Schweißbrenner schwärzt er die Figuren teilweise so sehr, dass nur noch die Kontur, die Silhouette übrigbleibt und die Binnenform nur zu ahnen ist. Bald wird die Palette um Gold erweitert und das skulpturale Interesse wendet sich völlig der Abstraktion zu. In seinen aktuellen Arbeiten ist die Grundlage seiner bildhauerischen Experimente der Baum das Material, dem er mit Säge und Feuer neue Körper entlockt und archaische Zeichen setzt.

Begleitet wird die Arbeit des Bildhauers von einem facetten- reichen malerischen und zeichnerischen Schaffen. Er liebt das Experiment, das Expressive, das Zeichenhafte im großen Format. Feuer und Flamme spielen auch in diesem Arbeitsbereich eine Rolle und gemalt wird gleichermaßen mit dem langen Pinsel und dem Schweißbrenner auf Dachpappe.

Martin Pöll

Pöll ist Sammler. Durchstreift die Waldwege, die Wiesen, konserviert das Harz der Bäume, das feinziselierte Muster der Seerosenblätter, den Flug der Samenkörner, die schwerelos zur Erde trudeln. Beobachten, auswerten, formen in technisch- maschinell anmutenden Modellen. Pöll bildet die Natur nicht ab. Er veranschaulicht sie.

Martin Pölls Arbeiten gehen von pflanzlichen Formen und Materialien aus, sowie von der Beziehung des eigenen Körpers zur Natur und der Tätigkeit in dieser Umgebung als auch im Bildhaueratelier. Naturmaterialien, wie Baumharz, Blätter,
Rinde, Ton oder Holz, sowie pflanzliche Samen von Ahorn und Fichte sind Ausgangsmaterial seiner Arbeiten, als auch das Sammeln und die unterschiedlichen Verarbeitungsschritte von Baumharz elementarer Teil von Pölls skulpturalen Arbeiten ist. Dabei ist der individuell entwickelte Arbeitsprozess zur Nutzbarmachung der Ausgangsprodukte zentraler Bestandteil der Ausstellungsobjekte. Um das Baumharz für den Guss von Skulpturen verwendbar zu machen, ist ein langwieriger Auskochungsvorgang des Materials nötig. Bei dieser Raffination gibt es diverse Nebenprodukte, die in Martin Pölls Arbeiten als Versatzstücke auftauchen.

Martin Pöll, 1990 in Südtirol geboren, lebt und arbeitet heute in Karlsruhe.