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Wider das Verdrängen und Vergessen
Lilli Engel und Raffael Rheinsberg im Forum Kunst Rottweil

Rottweil. Das Forum Kunst Rottweil widmet dem Künstlerpaar Lilli Engel und Raffael Rheinsberg eine Doppelausstellung, die schon zu ihren Lebzeiten angedacht war. Mittlerweile sind beide überraschend verstorben, Rheinsberg im Oktober 2016, Engel im Februar 2018. Die Ausstellung wird zur Hommage.

Geprägt war die künstlerische Arbeit des kongenialen Paares von der Auseinandersetzung mit der Geschichte, auch der Geschichte des Verdrängens und Vergessens. Raffael Rheinsberg ist als „Spurensicherer“ bekannt geworden, der sich unerschrocken auch in unwirtliches Terrain wagte, um Gegenstände aufzuspüren, die Zeugnis ablegen können von ihrer Zeit, von industrieller Entwicklung, sozialen Bedingungen und größtmöglichem Schrecken. So hat Rheinsberg im Brachland um das Berliner Gleisdreieck Schuhe von NS-Zwangsarbeitern geborgen. Holzpantinen, Sandalen, Stiefel, verschlammt, vermodert, halbwegs erhalten bis fast zerfallen zeigte er in Ausstellungen, geordnet in Reih und Glied - was das Ensemble noch grauenhafter erscheinen ließ. In Rottweil wird seine ebenfalls berühmte, ausladende Bodenarbeit zu sehen, in der Rheinsberg eine Stadtarchitektur aus Hightechschrott gebaut hat: trostlos und faszinierend zugleich.

Lilli Engels Malerei ist das Ergebnis eines langwierigen Prozesses. Schicht um Schicht trägt sie Farbe auf, um sie wieder partienweise abzukratzen und die unten liegenden Schichten freizulegen, als wolle sie sich zum Ursprung zurückgraben. Aufbau, Zerstörung, Wiederaufbau: dieses leidvolle Geschehen, das sich in der Menschheitsgeschichte unaufhörlich wiederholt und das sie als Kind am eigenen Leib erfahren musste, hat sie in ihre starke, eher düstere Bildsprache einfließen lassen. Und ihr Studium in Ägypten, dem Land, das wie kein anderes für archäologische Ausgrabungen steht und in dem die Vergangenheit präsenter scheint als die Gegenwart, hat sicher als Katalysator gewirkt.

Die Ausstellung wird am Samstag, 23. März, um 19 Uhr mit einer Rede von Jürgen Knubben eröffnet. Sie dauert bis zum 5. Mai.